Kirchgemeindereise nach Georgien, Armenien und Iran

Wer in 16 Tagen die drei genannten Länder bereist, darf sich, ausser er sei schon vor der Reise ein Kenner dieser Region im Nahen Osten gewesen, kaum mit vertieften Länderkenntnissen brüsten. Viele beeindruckende Erlebnisse der Reise allerdings fördern das Interesse und die Lust, sich nach der Rückkehr von der hochinteressanten Reise weiterhin mit dem Schicksal dieser Staaten und der dort lebenden Menschen zu beschäftigen.

Georgien und insbesondere Armenien sind die Wiege des Christentums; sie spielen eine  zentrale geschichtliche Rolle in der christlichen Geschichte, aber als selbständige Republiken wie sie sich heute präsentieren, existieren sie erst seit 1991. Noch ist in Georgien das Leiden spürbar, das der Verlust der Gebiete Abchasien und Südossetien durch russische Annexion verursacht hat. Gerade in diesen Tagen zeigt sich dies vehement. Ein russischer Duma-Abgeordneter, der sich anlässlich einer internationalen Versammlung in Tiflis, der Hauptstadt Georgiens, aufgehalten hat, hat vor dem georgischen Parlamentsgebäude eine russische Ansprache gehalten. Noch in der folgenden Nacht sind Tausende von erzürnten Georgiern protestierend zum Parlamentsgebäude gezogen.

Georgien und Armenien versuchen, ihren jungen Staatsgebilden ein Gesicht oder eine Heimat zu geben. In Tiflis ist es die auf einem Hügel stehende neue Tsminda Sameba Cathedral, in den Jahren seit der Staatsgründung neu erbaut mit Spendengeldern. Sie thront majestätisch über der Stadt und versucht, in der Altstadt gelegene, und eigentlich schönere, weil authentischere Kirchen in den Schatten zu stellen. Und in Eriwan, der armenischen Hauptstadt sind es die Kaskaden. Es ist ein rein weltliches Gebäude, das sich terrassenartig einen Stadthügel hinauf zieht, abends erleuchtet und mit Wasserspielen bestückt ist. Im Innern verbergen sich Konzertsäle und Kunstschätze der modernen Kunstklassik von Botero, Calder und vielen weiteren Künstlern. Eine tolle Augenweide! Grossartig zu erfahren, was die Armenier in der Diaspora für ihren Heimatstaat leisten. Ohne ihren grossen finanziellen Zustupf wäre das Binnenland Armenien wohl in aussichtsloserer Position als es heute ist. Aber auch Armenien leidet, und zwar unter den Gebietsverlusten, die das einst flächenmässig grössere Land hinnehmen musste sowie unter dem insbesondere von der Türkei noch immer nicht als Genozid anerkannten Völkermord an den Armeniern im Jahre 1915. Diesem ersten grossen Genozid des 20. Jh. ist heute eine eindrucksvolle Gedenkstätte gewidmet. Bei ihrem Besuch bleibt nur die Hoffnung, dass sich solche Greueltaten nicht erneut wiederholen!

Und wenn der umsichtige armenische Chauffeur mit der Reisegruppe schliesslich Richtung Iran fährt, mit viel Geschick halbsbrecherische Bergstrecken befährt und Schlaglöcher zu umfahren versucht, so bleiben die armenischen Strassen doch in einem lamentablen Zustand. Aber welche andere Welt tut sich nach Überschreiten der armenisch-iranischen Grenze auf. Die mitreisenden Damen tragen Kopftuch, Arme und Beine sind bedeckt. Dennoch, sie werden sofort als Ausländerinnen erkannt und insbesondere von den iranischen Geschlechtsgenossinnen neugierig, aber nicht unangenehm, befragt. Und welche Gastfreundschaft man dabei erfahren darf, ist unglaublich. Dabei helfen die Persisch-Kenntnisse der Reiseleiterin Alexandra Bopp Sutter über viele Sprachbarrieren hinweg wie sie dies auch tun im Gespräch mit muslimischen Geistlichen und Ayatollahs. Der Iran verzaubert mit seinen prachtvollen Moscheen, seinen farbigen Heiligtümern und seinen blühenden Gärten. Die Bazare ihrerseits, beherrscht vom Wohlgeruch vieler Gewürze, von prachtvollen Zuckerkunstwerken, von frischen und getrockneten Früchten, von Email- und Kupferarbeiten sowie von der Pracht glitzernder Stoffe und von vielem, was das Herz begehrt, ziehen sogar die mitreisenden Männer in ihren Bann.

Zum Abschluss der Reise dann der Besuch in der heiligen Stadt Ghom, Ausbildungsstätte schiitischer Geistlicher – und welch’ Unterschied zu den Städten Tabriz, Shiraz und Isfahan. In Ghom prägen Ayatollahs und Frauen im schwarzen Tschador das Stadtbild; dennoch, auch die Besichtigung des Heiligtums von Ghom ist es den Damen nochmals wert, sich in einen Tschador zu werfen, den hitzeungewohnten Ausländerinnen zuliebe ein solcher in heller Farbe. Dennoch, der Schweiss fliesst in Strömen. Die saisonal täglich steigenden Temperaturen machen es schliesslich leichter, den Heimweg anzutreten aus drei unterschiedlichen Ländern mit sehr, sehr gastfreundlichen Menschen nach einer rundum interessanten, abwechslungs- und erlebnisreichen Reise.

 


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